Pfingsten – Teil 1

PFINGSTEN – damals und heute:

Der „fünfzigste Tag“, der goldene Ostertag ist die Vollendung der „Heiligen vierzig Tage“ (österliche Bußzeit) und der „Seligen fünfzig Tage“ (Osterzeit). In der Osterzeit bereiten Liturgie und Mystagogie für den Heiligen Geist und ein neues Pfingsten und machen dafür empfänglich. Erneuerung, neue Zurüstung der Kirche für die Welt („Licht der Völker“) ist schicksalhaft.

Johannes XXIII.: „Gott, Heiliger Geist, ergieße in deiner Güte die Fülle deiner Gaben über das kommende Konzil! Erneuere deine Pfingstwunder in unserer Zeit!

Paul VI.: „Wir erleben in der Kirche einen Zeitabschnitt, der in besonderer Weise vom Heiligen Geist gekennzeichnet ist. Überall verlangen die Gläubigen danach, ihn nicht nur besser zu erkennen, sondern sich auch mit bereitem Herzen ihm anzuvertrauen, sich von ihm führen zu lassen.

Der Wind von oben wurde auch als unan­genehme Zugluft empfunden oder als gefährlicher Sturm. Der Sturm ist vorbei. Aber die große Sehnsucht nach Spiritu­alität nicht.
Auf Grund einer langen Geistvergessenheit sind wir Katholi­ken starr und schwach geworden, bedacht auf Institutionelles und Erhaltung des Bisherigen. Ein „neues Pfingsten“ ist die normale und lebensnotwendige Gnade im Hinblick auf die spirituellen Nöte der Kirche und unserer Zeit.
Forderungen, Methoden, Techniken, Administration können die Dynamik des Geistes nicht ersetzen. Guter Wille und Einsatz begeis­terter Christen genügen nicht mehr. Religiöses und kirchli­ches Leben erstarrt, wenn nicht vitale geistliche Dynamik zu neuen Durchbrüchen führt. Gemeindeerneuerung geschieht nicht durch mühsam formulierte Gemeindemodelle, Pastoralkonzepte, Strukturreformen. Die Grundfunktionen der Gemeinde (Verkündigung, Liturgie, Caritas) „funktionieren“ nicht ohne den „Geist“. Es wird sich zeigen, ob Aufbruchs­bewegungen ihre Unreifen hinter sich lassen, die Feuertaufe im normalen Leben bestehen, nicht Kirchen in der Kirche werden und polarisieren, sondern sich selbst sterben, damit die Gemeinden aufleben.

Wer ist der Heilige Geist?

Wer oder was der „Heilige Geist“ ist, kann mit dem Verstand nicht erfasst werden. Er ist nicht direkt sichtbar, greifbar, erfahrbar. Er ist die eine Liebe (als Person), die Vater und Sohn eins macht, das Intimste im Dreifaltigen Gott, das Herz Gottes, der Kuss und die Ekstase des Vaters und des Sohnes.
Im „Geist“ schenken der Vater und der Sohn sich selbst, be­rühren unser Innerstes, wecken die Tiefen der Person (Glau­ben, Umkehr, Beten, leidenschaftliches Leben und Lieben). Im „Geist“ lebt Christus in unserer Mitte, lebendig in Wort, Sakrament, Gemeinschaft.
Pfingsten passiert mit uns, unter uns, in uns — nicht vorhersehbar, nicht vorstellbar, nicht machbar. Pfingsten ist uns passiert, wenn es nicht durch ei­genes gutgemeintes Machen und Wollen behindert worden ist.

biblische Zahlen und die Frage der Lebensalter

Die Zahlensymbolik der Hebräer verrät tiefes Wissen um menschliches und religiöses Leben: 40 Tage: Zeit der Berei­tung und Umkehr. 50 Tage: Zeit der Erfüllung und Vollen­dung. — Braucht der Mensch 40 Jahre bis zur vollen Umkehr und Hingabe an Gott? Braucht er 50 Jahre, um für die Fülle des Heiligen Geistes und die Kontemplation fähig zu wer­den? Sicher ist: Wer um das 50. Lebensjahr nicht zur Fülle findet, gerät in eine schwere Krise, da sein Leben leer bleibt. — Der „Geist“ weckt drängende Fragen: Was muss ich tun? Was ist das Eigentliche? Warum spüre ich so klar, dass etwas fehlt oder nicht gut läuft in Familie, Kirche, Gesellschaft? Wo gibt es Leben und Inspiration, woraus ich schöpfen kann? Pfingsten geschieht, ist geschehen, wird geschehen — ist nicht das Übliche, Traditionelle, Brave, Bequeme!

LESUNG I Apg 2,1-11: Das erste Pfingsten

Der Text ist nach den Baugesetzen der Sprache der Bibel und der Synagoge (fünfzig Satzgebilde!) meister­haft durchkomponiert und verkündet eine Großtat Gottes, die Worte und Vorstellungen sprengt. Der Schöpfungsbericht (Gen 1) ist literarisch ähnlich gestaltet. Die Kirche wird also am „Pfingsttag“ aus dem Chaos der Welt und der Religionen aus Gottes „Geist“ und Wort (nach gewaltigen Erschütterun­gen — Karfreitag, Ostertag) wie aus dem Nichts geschaffen. Nach dem völligen Zusammenbruch (Unfähigkeit und Schuld) sind die Jünger leer und empfänglich für die „Fülle des Geistes„. Die Geburt der Kirche geschieht wie ein Ur­knall. Dem ersten „Pfingsttag“ werden viele weitere Pfingstereignisse folgen. Dynamische unerwartete Aufbrüche wer­den wieder und wieder geschehen müssen, damit die Kirche auf dem Weg durch die Geschichte nicht erstarrt — und auch wir nicht!

Die Ausgießung des Geistes zu Pfingsten

UND ALS DER TAG DES PFINGSTFESTES ZUR FÜLLE KAM, WAREN SIE ALLE ZUSAMMEN AN DEMSEL­BEN ORT — der jüdische Tag beginnt mit Sonnenuntergang. Die „Fülle des Tages kommt“ am vormittag im Synagogengottesdienst, etwa zur Zeit der Prophetenlesung (Zeitpunkt der aufregenden Auftritte Jesu und Pauli in Synagogen). „Al­le“ waren „beisammen“ oder gemeinsam auf „dasselbe“, auf die Verheißungen Christi, ausgerichtet. UND ES GE­SCHAH: PLÖTZLICH KAM VOM HIMMEL EIN BRAU­SEN WIE DAS EINES DAHERFAHRENDEN GEWALTI­GEN STURMES. ER ERFÜLLTE DAS GANZE HAUS, IN DEM SIE SASSEN — das lebendige Gotteswort („Zungen“!) „kommt“, „Hauch des Geistes“, „Feuersturm“, zuinnerst be­lebende Liebe und „Geist-Sprache“ über die Versammelten. Sie werden überwältigt, ihr Herz und Mund gehen über, können nicht mehr schweigen, werden Evangelisten voll „Feuer“ und „Geist“. „Brausen“, „Schall vom Himmel“, „Feuer“ sind deutliche Analogien zum Sinaiereignis!
UND ES ERSCHIENEN IHNEN ZUNGEN WIE VON FEUER, DIE SICH VERTEILTEN. AUF JEDEN (!) VON IHNEN LIESS SICH EINE NIEDER — ein geistgewirktes „Feuerwort“ brennt sich „jedem“ ein. UND SIE ALLE (!) WURDEN ERFÜLLT MIT HEILIGEM GEIST UND BE­GANNEN ZU REDEN IN ANDEREN SPRACHEN, WIE DER GEIST IHNEN ZU SPRECHEN GAB — Charisma des Sprachengebetes und der Evangelisierung der Juden Jerusa­lems und der Diasporajuden (am ersten „Pfingsttag“). Revo­lutionäre neue Verkündigung!

Verkündigung als erste Frucht von Pfingsten

IN JERUSALEM ABER WOHNTEN JUDEN, GOTTES­FÜRCHTIGE MÄNNER AUS JEDEM VOLK DER VÖL­KER UNTER DEM HIMMEL. ALS DAS BRAUSEN GE­SCHAH, STRÖMTE DIE MENGE ZUSAMMEN UND WAR GANZ BESTÜRZT. DENN JEDER HÖRTE SIE IN SEINER EIGENEN SPRACHE REDEN — das „Brausen“, aber auch das Gotteswort in ihrer „Muttersprache“ (verkün­det durch „Galiläer“ aus der Provinz!) versammelt sie, lässt sie die Gegenwart Gottes mit „Bestürzung“ erfahren. Bisher wurde das Gotteswort nur in der heiligen hebräischen Spra­che gelesen und verkündet. Den ‚Jüngern“ wird die „Spra­che“ für das Gottesvolk unter „allen Völkern“ gegeben. Der Durchbruch zu den Heiden geschah in einem späteren Pfingstereignis! SIE GERIETEN AUSSER SICH VOR STAUNEN UND SAGTEN: SIEHE! SIND NICHT ALLE DIESE GALILÄER, DIE DA REDEN? WIESO HÖREN WIR SIE, JEDER IN DER SPRACHE, IN DER WIR GE­BOREN SIND? — ist seither eine bestimmte kirchliche Spra­che sakrosankt?
Die folgende Namensliste (Mitte des Pfingstevangeliums!) umfasst 72 griechische Worte. 72 Übersetzer sollen die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische (die Septuaginta) geschaffen haben. PARTHER UND MEDER UND ELAMITER UND BEWOHNER MESOPOTAMIENS, VON JUDÄA UND AUCH VON KAPPADOKIEN, VON PONTUS UND DER PROVINZ ASIEN, VON PHRYGIEN UND VON PAMPHYLIEN, VON ÄGYPTEN UND DEN GEBIETEN LIBYENS GEGEN KYRENE HIN. UND DIE RÖMER, DIE SICH HIER AUFHALIEN. JUDEN UND AUCH PROSELYTEN, KRETER UND ARABER. WIR HÖREN SIE IN UNSEREN SPRACHEN DIE GROSSTA­TEN GOTTES VERKÜNDEN — der „Geist“ überwindet die Sprachlosigkeit der Kirchen, der Prediger, der Getauften, der Gefirmten! Von negativen Reaktionen anderer sagt diese Festtagslesung nichts mehr: „Sie sind voll süßen Weines“, sie drehen durch, sind verrückt, sind Spinner! Pfingsten pro­voziert bis heute sehr stark.

EVANGELIUM Joh 20,19-23: Pfingsten jeden Sonntag

Wieder — wie am 2. Ostersonntag — das reifste Oster- und Pfingstevangelium. Zeugnis jahrzehntelang in Eucharistiefeiern am „ersten Tag“ gewachsener Oster- und Pfingsterfahrungen.

ALS ES ABEND WAR AN JENEM ERSTEN TAG DER WOCHE UND DIE TÜREN, WO SICH DIE JÜNGER AUFHIELTEN, VERSCHLOSSEN WAREN — WEGEN DER FURCHT VOR DEN JUDEN — „die Jünger“ versammelten sich wieder und wieder bei „ver­schlossenen Türen“, oft kleingläubig, hilflos, ängstlich, ver­folgt, oft auch eng in internen Problemen gefangen, auf Selbsterhaltung bedacht. Auch Angst vor Verrätern, untreuen „Jüngern“, Sündern, schlechten Zeiten. Es ist schwer, sich selbst, Ohnmacht, Davonlaufen-Wollen, Kleinglauben — und die Dunkelheit Christi anzunehmen. In äußerster geistlicher Not, dunkelster Glaubensnacht (Karfreitag) „kommt“ der Auferstandene wirklich in „ihre Mitte“. Geistliche Ohnmacht und Unfähigkeit sind bessere Bereitung für Pfingsten als selbstsicheres „Kommt-zu-uns“ oder schwärmerisches Halleluja.

Versöhnung mit dem Auferstandenen

JESUS KAM UND TRAT IN IHRE MITTE — wieder und wieder mit Selbstverständlichkeit und göttlicher Souveräni­tät. Vom Leben gebeutelte Menschen sind offen für ihn, die „Mitte“ der Eucharistiefeier, für lebendige Begegnung, inne­re Verwandlung! UND SAGT ZU IHNEN: FRIEDE EUCH! (und Heil!) — was er sagt, geschieht: Versöhnung mit ihm! (Dazu sind wir nach furchtbarsten Schicksalen nicht fähig.) Versöhnung mit uns selbst! (Das können wir kaum.) Und miteinander! (Noch weniger.) All das wird nach schreckli­chen (religiösen) Erfahrungen, Selbstzweifeln, Glaubensillu­sionen, Versagen geschenkt. Wer kann sich, wer kann Gott aushalten? Wer kann der Liebe Gottes ganz antworten, ohne ihn zuerst zu hassen!? In einfachen und ehrlichen Gottes­diensten geschieht in wachen Menschen eine Verwandlung von innen, geschieht plötzlich (was emotional unmöglich ist) tiefster „Friede“ mit ihm, mit sich, untereinander, mit dem Schicksal. Der enttäuschende Gekreuzigte und unbegreifliche Auferstandene — aktive „Mitte“, Auferstehung, Leben! Das kann nicht selbstsüchtig erwartet, großmundig versprochen — aber mit viel Messgestaltung gestört werden. Einfache und tiefe Begegnungen mit ihm wirken Wunder in Kirchenbesu­chern und Kirchenfernen. Ich weiß es.
UND ALS ER DAS GESAGT HATTE, ZEIGTE ER IH­NEN DIE (verwundeten) HÄNDE UND DIE (durchbohrte) SEITE — tödlich verletztes „Lamm“, größte Liebe, die es gibt, absolut frei! DA FREUTEN SICH DIE JÜNGER, DASS SIE DEN HERRN SAHEN — wahrnehmen, „schauen“ (Kontemplation!). Tiefe Begegnung, für die es keine Worte gibt. Sie tun nichts, sagen nichts, sind wach Hörende und Empfangende.

Der Sendungsauftrag des Auferstandenen

WIEDER SAGTE ZU IHNEN JESUS:
FRIEDE EUCH! WIE MICH GESANDT HAT DER VA­TER, — in seinem Liebeswillen! SO SCHICKE AUCH ICH EUCH — mit „Frieden“ im Herzen, als Stifter von Versöh­nung und „Frieden“! Evangelisierung ohne Unruhe, Angst, Überheblichkeit, Fanatismus, Rechthaberei, Gewalt! Funda­ment allen apostolischen und missionarischen Mühens. ALS ER DAS GESAGT HATTE, HAUCHTE ER SIE AN UND SAGT ZU IHNEN: EMPFANGET HEILIGEN GEIST — der „Hauch“ Gottes hat Adam lebendig gemacht. Der „Geist“ und Kuss (altes Wort für den „Heiligen Geist“!) des Vaters und des Sohnes „haucht Leben“, Kraft zum Zeugnis, Hingabe aus Liebe (tägliche Firmgnade, Amtsgnade, Charismen!). Unser persönlicher Geistempfang: „Ich bin bereit“, „mir ge­schehe“! „Sendet“ man heute mehr mit amtlichen papierenen Dekreten?
Das Ziel ist: „Versöhnung“ und „Frieden“ für alle, für die Welt: WENN IRGENDWELCHEN (!) IHR VERGEBT DIE SÜNDEN, DANN SIND SIE IHNEN VERGEBEN — Wir­kung des „Geistes“ in Taufe, sakramentaler Versöhnung, persönlicher Vergebung (Friedenstiften!). Auch einfache Christen mussten oft und viel „vergeben“, oder sie haben „nicht vergeben“. Dieses Pfingsten geschah (damals) in Got­tesdiensten. WENN IRGENDWELCHEN (!) IHR SIE BE­HALTET, DENEN SIND SIE BEHALTEN — keine Taufe und „Vergebung“ ohne Umkehr und Glaube. Die Evangelisierung kann scheitern. Getrauen sich Menschen in die Kir­che, um Heil zu finden? Dieses Wort ist nicht auf die Ohren­beichte, die es damals noch nicht gab, einzuengen! Vielfälti­ger Unfriede wirkt tödlich, Ehen zerbrechen, Schatten der Vergangenheit lähmen. Es gibt sicher die schmerzliche „Verweigerung“ der Taufe und „Vergebung“ aus dem „Geist“, nicht aber aus hartem Gesetzesdenken!

LESUNG II 1 Kor 12,3-7.12-13: Wie wirkt Pfingsten?

Die Antriebe und die Kraft des „Geistes“ in christlicher Gemeinde: NIEMAND KANN SAGEN: HERR IST JESUS, WENN NICHT IM HEILIGEN GEIST — starker innerer Antrieb zu Taufe und zum fundamentalen und per­sönlichen (österlichen) Taufbekenntnis kommt, wie die Er­fahrung zeigt, vom „Heiligen Geist“. Wer diesen Schritt der Grundentscheidung, der dem Ernst der Erwachsenentaufe entspricht und Ziel der österlichen Bußzeit ist, nicht getan hat, erlebt heftige innere Widerstände dagegen. Gott selbst bewegt zum Taufbekenntnis und Geistempfang, nicht Ei­genwille, fromme Übertreibung, fragwürdige Kräfte. Der böse Geist kann Christus als „Heiligen Gottes“ bekennen, niemals aber, als „meinen Herrn“. Grundentscheidung und Taufbekenntnis sind fundamental für christliches Leben aus dem „Geist“, die Wurzel der Gemeindeerneuerung. Sie müssten ermutigt und zugelassen werden.

Einer für alle!

Drei Parallelsätze: Der eine „Geist“ lebt aus engster Bezie­hung zum „Herrn“ und zum „Vater“. Der Dreifaltige Gott selbst wirkt in „jedem“ Christen, gibt Charismen, Befähi­gungen, „Kräfte“, um einander und anderen zu helfen.

ES GIBT UNTERSCHIEDE IN DEN GNADENGABEN, ABER ES IST DERSELBE GEIST — die persönlichen geist-gewirkten Gnadengaben sind sehr verschieden (geistliche Christen sind keine Kopien!).

ES GIBT UNTERSCHIEDE IN DEN DIENSTEN, ABER ES IST DERSELBE HERR — er selbst treibt zu geistlich-menschlichem „Dienen“ (nicht Bedrängen, nicht Bekehrungsdruck!).

ES GIBT UNTER­SCHIEDE IN DEN KRAFTWIRKUNGEN, ABER ES IST DERSELBE GOTT — der starkes Leben, Wort und Tun schafft.

ER BEWIRKT ALLES IN ALLEN —jeder Korinther empfängt von oben und muss lernen, anderen in der Kraft des „Geistes Gottes“ zu „dienen“. Es braucht die Orientie­rung durch Paulus, persönliche Entscheidung, Prüfung echter Antriebe. Der „Geist“ treibt einfacher, realistischer, normaler zur gegenseitigen Hilfe, als eifrige „Geistbegabte“ und „Be­geisterte“ oft meinen. Er lässt sich nicht verdrängen, lässt nicht ausbrennen, nicht erstarren, befähigt zu tun, was Gott durch mich tun will. JEDEM (!) WIRD DIE OFFENBA­RUNG DES GEISTES GEGEBEN, DAMIT SIE ANDE­REN NÜTZT — Amtsträger und Laien „dienen“ sich gegen­seitig (!) und untereinander. Keine Überforderung Einzelner, sensibles, liebevolles Zusammenwirken im Hinblick auf viel­fältige Not. Charismen werden für andere, nicht für die eige­ne Besserung gegeben. „Jeden“ will Gott zum Segen für „an­dere“ verwenden — dies gilt für ganz normale Gemeinden!
Warum man die folgenden Verse ausgelassen hat?

Die Gaben des Geistes

DEM EI­NEN ALSO WIRD DURCH DEN GEIST DAS WORT DER WEISHEIT GEGEBEN. EINEM ANDEREN ABER DAS WORT DER ERKENNTNIS DURCH DENSELBEN GEIST. EINEM ANDEREN GLAUBENSKRAFT IN DEMSELBEN GEIST. EINEM ANDEREN ABER GNA­DENGABEN ZU HEILUNGEN IN DEM EINEN GEIST. EINEM ANDEREN ABER KRÄFTE ZU MACHTTATEN (Glaubenskraft im Tun).
EINEM ANDEREN PROPHETI­SCHE REDE. EINEM ANDEREN ABER UNTERSCHEI­DUNGEN DER GEISTER. EINEM ANDEREN ARTEN VON SPRACHENREDEN. EINEM ANDEREN ABER AUSLEGUNG VON SPRACHENREDEN. ABER ALLES DIESES BEWIRKT DER EINE UND DERSELBE GEIST, DER JEDEM (!) SEINE BESONDERE GABE ZUTEILT, WIE ER WILL — merkbares Pfingsten im vielfältigen selbst­verständlichen geistgewirkten Helfen. Der Amtsträger (geist­liche Leitung!) wird die Vielfalt sehen, zur Einheit führen — und oft von neuen Initiativen des „Geistes“ (unangenehm?) überrascht werden.
DENN GLEICHWIE DER LEIB EINER IST UND VIELE GLIEDER HAT, ABER ALLE GLIEDER DES LEIBES, OBWOHL ES VIELE SIND, EIN LEIB SIND, SO AUCH CHRISTUS — das Bildmodell: „Christus“ lebt „laibhaft“(sic!) in Getauften. Sie bilden die eine vielgliedrige, nicht uniferne Kirche. Spannung zwischen Einheit und Vielfalt, zwischen unten und oben. „Jeder“ ist wichtig, braucht die anderen. aber tue das Seine! DENN DURCH DEN EINEN GEIST SIND WIR ALLE ZU EINEM LEIB GETAUFT WORDEN, OB JUDEN ODER GRIECHEN, OB SKLAVEN ODER FREIE. ALLE SIND WIR MIT EINEM GEIST GE­TRÄNKT WORDEN.

Autor: Prälat Johann Koller aus: Evangelium kompakt und neu

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